Stammzellenverträglichkeit: Abstoßreaktion bei der Stammzellentherapie
Werden transplantierte Stammzellen gut vertragen oder gibt es auch Abstoßungsreaktionen? Was ist autolog, was ist allogen?
Im therapeutischen Einsatz wird zwischen autologen und allogenen adulten Stammzellen unterschieden. Autologe Stammzellen werden vom Patienten selber gewonnen, allogene stammen von einem Spender. Die zu transplantierenden Zellen stammn aus dem Knochenmark, dem peripheren Blut (in der Blutbahn) oder dem Nabelschnurblut.
Stammzellen Entnahme: Risikoarmer Vorgang
Bei der ältesten Entnahmemethode wird dem Spender unter Narkose durch Punktion beider Beckenknochen ein Knochenmark- Blut-Gemisch entnommen.
Weitgehend ersetzt wurde diese Methode durch die periphere Blutstammzellspende. Der Spender erhält vorher einen blutbildenden Wachstumsfaktor, der den Übergang der Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut anregt. Danach lassen sich die Stammzellen mit einem besonderen Verfahren aus dem Blut „sammeln“. Nabelschnurblut wird unmittelbar nach der Abnabelung aus der Nabelschnur mit einem speziellen Kanüle/Schlauchsystem gefahrlos für Mutter und Kind gewonnen.
Abstoßreaktion bei eigenen oder fremden Stammzellen
Der Einsatz eigener (autologer) Stammzellen hat den Vorteil, das es nicht zu Abstoßungsreaktionen kommt und weniger Material benötigt wird. Rund zwei Drittel aller Stammzelltherapien werden mit eigenen Stammzellen vorgenommen. Herz-Kreislauferkrankungen, solide Tumoren und Lymphome (Lymphknotenvergrößerung) sind die wichtigsten Anwendungsbereiche. Ausschließlich eigenes Material wird in der sogenannten regenerativen Therapie verwendet. Nach Herzinfarkten, nach frühkindlichen Hirnschäden und Schlaganfällen kann mit den Stammzellen das geschädigte Gewebe durch neues ersetzt werden. Auch bei Autoimmunkrankheiten, bei denen der Körper Abwehrstoffe gegen eigene Zellen bildet, sind autologe Stammzellenübertragungen erfolgreich.
Aus Nabelschnurblut gewonnene autologe Stammzellen haben optimale Eigenschaften. Sie sind unbelastet, multipotent (zu unterschiedlichsten Zellen entwickelbar), jung und damit besonders gut verträglich. Forschungsgebiete, die eine vollständig genetische Übereinstimmung voraussetzen wie die Züchtung neuen Gewebes (Tissue Engineering) greifen auf eingelagerte, autologe Stammzellen zurück.
Der Einsatz fremder (allogener) Stammzellen setzt voraus , das ein geeigneter Spender zur Verfügung steht. In erster Linie sind das die Geschwister des Patienten. Bei der Transplantation fremder Blutstammzellen kommt es nämlich zu einer Transplantat- gegen- Wirt- Reaktion (Graft versus Host Reaktion). Die im Transplantat vorhandenen Immunzellen des Spenders richten sich gegen die Organe des Empfängers, die als „fremd“ registriert werden. Diese Abstoßungsreaktionen sind um so heftiger, je mehr fremde Merkmale von den Immunzellen erkannt werden (geringer Verwandtschaftsgrad). Um das zu vermeiden, muß der Empfänger lebenslang Medikamente einnehmen, die diese Reaktionen unterdrücken (Immunsuppressiva). Einsatzbereiche allogener Stammzellen sind Leukämie, Blutbildungsstörungen und genetische Erkrankungen. Bei der Behandlung der Leukämie ergeben sich zwei Vorteile:
Erstens, bei einem gesunden Spender kann man sicher sein, das sich im Transplantat keine Tumorzellen befinden.
Zweitens, im Transplantat sind bestimmte Immunzellen vorhanden, die zusätzlich eine Abwehrreaktion gegen die Tumorzellen im Körper des Empfängers auslösen.
Die durch die Chemotherapie zerstörten Bereiche des Knochenmarkes können durch gesundes Knochenmark des Spenders ersetzt werden.
Fazit zu Stammzellen aus Nabelschnurblut
Allogene Stammzellen aus Nabelschnurblut verursachen sehr viel seltener die oben beschriebene Graft versus Host Reaktion. Sie haben noch keine immunologische „Erfahrung“, das heißt es müssen im Gewebeverträglichkeitstest nicht alle Merkmale hundertprozentig übereinstimmen. Eine Transplantation trotz ein bis zwei Inkompatibilitäten (Nichtübereinstimmung von Merkmalen) sind möglich. Die Typisierung der allogenen Nabelschnurblutzellen erfolgt nach der Abnahme der Blutes vor dem Einfrieren. Bei einer autologen Probe unterbleibt dieser Test, da es zu Konfliktsituationen kommen könnte, wenn sich ein fremder Empfänger mit den entsprechenden Merkmalen in einer Notsituation findet. Zumal die Kosten für die Einlagerung von den Familien selber getragen werden müssen. Um den Handel mit Stammzellen zu verhindern, ist es verboten autologe Stammzellenpräparate allogen zu verwenden und umgekehrt.
[Bildrechte bei Vita 34]

Wir sind Maria und Justus.
Hi! Wir haben uns für die Ein- lagerung entschieden, um Sicherheit zu haben. Würde eine Diagnose wie Leukämie oder anderer Krebs gestellt werden, wären wir vorbereitet.